Oktober. Die Äpfel sind gepflückt, die Kürbisse stehen vor der Haustür, überall wird geerntet. Und bei dir? Was erntest du gerade in deinem Job?
Vielleicht denkst du jetzt: Ernten? Ich arbeite viel, ich bilde mich weiter, ich gebe mir Mühe. Und trotzdem bewegt sich nichts.
Ganz ehrlich: Geerntet wird immer. Die Frage ist nur, was. Denn was heute in deinem Berufsalltag aufgeht, hat irgendwann jemand gesät. Manchmal du selbst, manchmal andere. Und oft liegt die Aussaat viele Jahre zurück.
Bevor du dir also das nächste Ziel vornimmst, lohnt sich ein Blick ins eigene Beet. Fünf Fragen helfen dir dabei, von der Saat bis zur Ernte.
Kurz gesagt: Was du heute im Job erntest, wurde oft vor Jahren gesät, von dir oder von anderen. Wer berufliche Ziele erreichen will, schaut deshalb auf fünf Stellen: das alte Saatgut, das ungenutzte, das passende, den Boden und die Ernte selbst.
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Berufliche Ziele erreichen: fünf Fragen von der Saat bis zur Ernte
1. Was ist längst gesät?
Vieles, was dich heute im Job ausbremst, hast du dir nicht selbst ausgesucht. Es wurde früh gesät, von Eltern, Lehrer:innen oder der ersten Chefin. Sätze wie „Eigenlob stinkt“, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ oder „Nur die Harten kommen in den Garten“. Irgendwann sind sie ins Unbewusste abgewandert. Gewachsen sind sie trotzdem.
Das Tückische: Oben siehst du nur ein bisschen Grün. Ein Zögern im Meeting. Ein „Ach, das war doch nichts“, wenn dich jemand lobt. Darunter steckt eine ganze Wurzel.
Dabei ist altes Saatgut nicht automatisch Unkraut. Auch deine Werte wurden früh gesät. Und die willst du behalten.
Frage dich: Welcher Satz aus deiner Kindheit oder deinem ersten Job redet heute noch mit? Und wer hat ihn gesät?
2. Was liegt ungenutzt in der Schublade?
Manches Saatgut ist längst da und kommt nie in die Erde. Deine Stärken zum Beispiel. Was dir leichtfällt, hältst du schnell für selbstverständlich. Also setzt du es nicht bewusst ein.
Oder das Wissen aus Weiterbildungen. Seminar um Seminar, Buch um Buch, Zertifikat um Zertifikat. Und im Alltag ändert sich wenig. Das fühlt sich fleißig an. Genau genommen hast du aber noch nicht gesät, sondern Saatgut gesammelt. Gesät ist erst, was du in deinem Arbeitsalltag ausprobierst.
Frage dich: Welche Stärke setzt du kaum ein? Und welche Weiterbildung der letzten Jahre hat in deinem Alltag Spuren hinterlassen, welche nicht?
3. Was willst du ernten?
Mit dieser Frage fängt jede Zielsetzung an. Und genau hier lauert eine Falle: Das Ziel heißt eigentlich nur „weg von hier“. Weg vom Chef, weg vom Stress, weg von der Langeweile.
Ein Ziel aus Leidensdruck ist wie Saatgut ohne Etikett. Du weißt, was du loswerden willst, aber nicht, was aufgehen soll. Wer nur „weg von“ läuft statt „hin zu“, kommt leicht vom Regen in die Traufe.
Saatgut, das aufgeht, fängt mit einem Wunsch an. Mathea Nett (Founder and CEO, KulturKraft-Coaching) hat das nach unserer Zusammenarbeit so beschrieben:
„Romy nahm mich an die Hand und damit den Druck und machte mir Mut. Mut die Perspektive von ‚Du musst!‘ hin zu ‚Das will ich!‘ zu verändern.“
In meiner Arbeit heißt das Future-Reverse-Planning: Wir fangen bei der Ernte an und planen rückwärts bis zur Aussaat.
Frage dich: Stell dir vor, dein Ziel ist erreicht. Wie sieht dann ein ganz normaler Dienstag aus? Was tust du, mit wem, wo?
4. Passt der Boden?
Selbst das kräftigste Saatgut geht nicht auf, wenn der Boden nicht stimmt. Im Job heißt Boden: dein Umfeld, deine Führungskraft, die Kultur im Unternehmen. Dazu kommt der Zeitpunkt. Nicht alles wächst zu jeder Jahreszeit.
Und manchmal braucht Neues erst ein Gewächshaus, einen geschützten Rahmen, bevor es draußen bestehen muss. Ich kenne das aus meinem eigenen Leben. Mitten im Studium fehlte mir die Selbstmotivation, das Alleinsein war schwer. Dann kam ich zufällig mit der Themenzentrierten Interaktion (TZI) in Kontakt, einem Modell für Kommunikation und Zusammenarbeit. Sie schuf meinem Seelchenpflänzchen den Platz zum Gedeihen.
Hier entscheidet sich auch, welcher Weg gerade dran ist. Manchmal ist die Ernte längst da und du siehst sie nur nicht. Manchmal liegt es am Saatgut, dann kannst du selbst etwas ändern. Und manchmal liegt es am Boden. Dann lautet die ehrliche Frage: Lässt er sich verbessern oder brauchst du ein anderes Beet? Love it, Change it or Leave it.
Frage dich: Würde dein Vorhaben woanders besser wachsen? Oder fehlt ihm nur ein geschützter Platz für den Anfang?
5. Wer fährt die Ernte ein?
Die Ernte holt sich nicht von selbst ein. Gute Arbeit spricht leider nicht für sich, auch wenn wir das gern glauben. Wenn du nie erzählst, was du erreicht hast, fährt jemand anderes die Ernte ein. (Hallo, „Eigenlob stinkt“! 😉)
Und zwischen Saat und Ernte liegt die längste Strecke: gießen, nachsehen, dranbleiben. Nach meiner Erfahrung scheitern Vorhaben selten am Willen. Sie gehen ein, weil niemand nachfragt. Was dann hilft, ist Rückendeckung: mindestens ein Mensch, der weiß, was du vorhast, und wissen will, wie weit du bist.
Frage dich: Wer weiß von deinem Ziel? Und wann hat dich zuletzt jemand gefragt, wie es damit steht?
Und was säst du jetzt?
Du musst nicht alle fünf Fragen auf einmal beantworten. Fang mit der an, bei der du beim Lesen kurz gestockt hast. Schreib dir deine Antwort auf, heute noch. Also los!
Was groß werden will, fängt im Kleinen an.
Und wenn du merkst, dass du beim Sortieren Unterstützung brauchst: Lass uns reden. Im kostenfreien Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam in dein Beet. Buche dir hier einen Termin.
Häufige Fragen
Warum erreiche ich meine beruflichen Ziele nicht?
Nach meiner Erfahrung liegt es selten am Willen, sondern an einer von fünf Stellen: an alten Überzeugungen, die unbemerkt mitreden, an Stärken und Wissen, die ungenutzt bleiben, an einem Ziel, das nur „weg von hier“ heißt, an einem Umfeld, in dem nichts wachsen kann, oder an einer Ernte, die niemand einfährt.
Woran erkenne ich, ob ein berufliches Ziel wirklich meins ist?
Ein Ziel, das du dir wünschst, kannst du beschreiben: was du dann tust, mit wem und wie sich ein ganz normaler Arbeitstag anfühlt. Ein Ziel aus Leidensdruck beschreibt nur, was aufhören soll. Und wenn du noch gar nicht weißt, was du willst: Damit bist du nicht allein.
Wie erkenne ich Glaubenssätze, die mich im Job bremsen?
Achte auf Sätze, die sich wie Tatsachen anfühlen: „Ich bin halt nicht so jemand …“, „Das macht man nicht“, „Eigenlob stinkt“. Frag dich, von wem du sie zuerst gehört hast. Ein Glaubenssatz ist eine Annahme, keine Tatsache. Und Annahmen lassen sich hinterfragen.
Was hilft, bei einem beruflichen Ziel dranzubleiben?
Ein Ziel, das konkret genug ist, um es zu überprüfen. Schritte, die in eine normale Arbeitswoche passen. Und Rückendeckung: mindestens ein Mensch, der weiß, was du vorhast, und regelmäßig nachfragt.
Über die Autorin: Romy Winter ist Karrierecoach und Business Mentorin aus Mönchengladbach. Mit ihrer Karriereberatung und ihrem Business Coaching begleitet sie seit dem Jahr 2000 Fach- und Führungskräfte dabei, beruflich wieder in Bewegung zu kommen, mit ihrem Ansatz Love it, Change it or Leave it: erkennen, wo du stehst, entscheiden, wohin du willst und losgehen.

