MODE-MENSCHEN-MÖBEL

Meine Story Teil 1

Wie ich dazu kam, das zu tun, was ich heute tue

Schon früh war mir klar, dass ich beruflich etwas machen möchte, was mit Menschen zu tun hat. Die logische Schlussfolgerung war also: Psychologie studieren. Meinen Eltern war dieser Berufswunsch nicht ganz geheuer: „Kind, lern was Ordentliches, damit Du in schwierigen Zeiten was zu essen hast“, war die Reaktion.

 

Irgendwas mit Möbeln oder Mode

Also besann ich mich auf eine andere Leidenschaft von mir: Innenarchitektur. Schönes, funktionales Wohnen für glückliche Menschen.

Bei meiner Recherche, welche Voraussetzungen dafür nötig waren, kam heraus: entweder Lehre oder Praktikum in einer Tischlerei. Also machte ich mich auf Lehrstellensuche, was sich für mich als weibliches Wesen als schwierig herausstellte. „Wir bieten keine Lehrstellen für Mädchen an, da wir keine Damentoiletten haben“, war das Argument, das ich wohl zwanzig Mal hörte, bevor ich entnervt aufgab. Es gab schlichtweg keine Ausbildungsstellen für weibliche Tischler in meiner Heimatstadt.

Aber ich hatte ja noch ein weiteres Hobby: Nähen. Meine Großmutter, eine ehemalige Handarbeitslehrerin, hatte es mir beigebracht und ich trug schon mit 14 meine eigenen, selbstgeschneiderten Kreationen.

Eine Lehrstelle als Schneiderin in einer Firma für Damenmode war schnell gefunden. Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich: Die Zukunftsperspektive als Industrie-Näherin war nichts für mich.

Glücklicherweise kamen Berater der IHK in den Ausbildungsbetrieb und informierten uns über weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten und zeigten mir einen interessanten Weg auf: Lehre von 2 Jahren auf 1 Jahr verkürzt, 1 Jahr Fachabitur und dann Studium der Textil- und Bekleidungstechnik mit Schwerpunkt Gestaltung.

Die Verbindung von Design und praktischer Umsetzung reizte mich – und ich war sofort dabei. Frei nach dem Motto: Die innere Schönheit des Menschen auch äußerlich sichtbar machen, das hat ja im weitesten Sinne auch was mit Psychologie zu tun 😉

Mode und Party – best time of my life?

So kam ich mit 19 Jahren nach Mönchengladbach und fing an zu studieren. Womit ich nicht gerechnet hatte, war das Alleinsein und die Erkenntnis, dass es neben der Kür auch immer ein Pflichtprogramm gibt. Selbstmotivation, Selbstmanagement, Lernstrukturen etc. machten mir schwer zu schaffen.

Ich wünschte mir eine helfende Hand, heute würde ich sagen einen Coach, Mentor oder Beratungsstelle. An einem Tiefpunkt schickte mich eine Freundin zum Therapeuten. Da hatte ich meine Psychologie, allerdings von der anderen Seite.

Mein weiteres Umfeld bekam von der Krise nichts mit. Hier war ich die kreative Modedesignerin, die geschickte Schnittdirektrice mit eigenem Musteratelier, die lebenslustige Party- und Discolöwin.

 

Doch was mit Menschen: Alte Wünsche melden sich zurück

Durch Zufall kam ich in dieser Phase in Kontakt mit der TZI, einem Kommunikations- und Kooperationsmodell mit Haltungen/Werten, die mich ansprachen und meinem „Seelchenpflänzchen“ den Platz schafften zum Gedeihen. Ich bemerkte, dass ich in der oberflächlichen, sich mit dem Außen beschäftigenden Modewelt einen Ausgleich brauchte, den ich dort fand. Ich wurde mir langsam meiner Stärken bewusst und mein Selbstbewusstsein wuchs.

Damit kam auch wieder der Wunsch hoch, mehr mit Menschen zu arbeiten und sie beim „Wachsen“ zu unterstützen. Er wurde so stark, dass ich beschloss, aus der Modewelt auszusteigen. Ich kündigte meinen Job als Chefstylistin in der Schweiz, um nochmals zu studieren.

Nein, nicht Psychologie, obwohl ich das am liebsten getan hätte. Doch da war wieder die Sache mit Pflicht und Kür: Das Psychologiegrundstudium sah für mich laut Curriculum eher nach einem Statistik-Studium aus – und das war nicht mein Ding. Also was dann? Meine praktisch pragmatische Seite entschied sich für ein wirtschaftswissenschaftliches Aufbaustudium mit Schwerpunkt Marketing, Organisation, Personal an meiner alten Alma Mater in Mönchengladbach.

Natürlich blieb die Frage: Wartet die Welt auf eine Modedesignerin, die auf die Personalseite wechseln will? Denn nur von „Luft und Liebe“ kann man nicht leben. Über einen Kunden erhielt ich die Kontaktdaten eines Unternehmensberaters, der sich zu einem halbstündigen Gespräch über diese Frage bereit erklärte. Aus den 30 Minuten wurden 3 Stunden und die Antwort lautete: „Wir haben uns gerade von unserem Personalberater getrennt, kommen Sie doch zu uns.“

Ab da arbeitete ich als Personalberaterin für den Textil- und Bekleidungssektor und finanzierte damit mein Studium. Und war gleichzeitig projektweise als Spezialistin für Produktentwicklung in der Textil- und Bekleidungsbranche tätig.

Im Rahmen dieser Tätigkeit hielt ich als Unternehmensberaterin und Fach-Referentin auch öfter Vorträge und Workshops in Indien. Insgesamt eine tolle Zeit, die mit dem Ende des Studiums eine Entscheidung verlangte: Will ich in den Bereich Marketing/Vertrieb oder Personal-/Organisationsentwicklung?

Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Wie geht’s weiter?

Während meines Studiums hatte ich im Zusammenhang mit einer Studienarbeit einen Personal- und Managementberater kennen gelernt, den ich ansprach, um mehr Infos zum Bereich Personal- /Organisationsentwicklung zu erhalten. Statt mir theoretische Tipps zu geben, lud er mich ein, an seinem Seminar/Workshop „Management by Objectivs“ teilzunehmen, das er für einen seiner Firmenkunden durchführte. An die genauen Inhalte kann ich mich heute nicht mehr im Detail erinnern, wohl aber an die spezielle Aufgabe, die er mir nebenher gab: Schreibe deinen Karriereplan!
Was willst Du machen? Warum? Was willst du verdienen? Wie willst du dir das Fach Know-how aneignen? Das waren nur einige seiner Fragen. Da saß ich nun auf meinem Hotelbett und hatte ein leeres Blatt vor mir. Also fing ich einfach mal an, und nach Mitternacht hatte ich den Plan bis zur Zielposition „Leitung Personalentwicklung“ fertig. Bei der nächstlogischen Position Personalleitung war ich mir nicht sicher und setzte nur den Namen ein. Wieso dies erwähnenswert ist? Du wirst schon sehen.

Beim Besprechungstermin stellte ich dem Berater meinen Plan vor. Er schien ihn für gut, nachvollziehbar und realistisch zu halten. Und so überzeugend, dass er mir den Job als Personal- und Managementberaterin anbot. Wow! Ich nahm ihn an!

 

Angekommen: Learning by doing

Damit begann wieder mal eine Zeit des Lernens, diesmal nicht an einer Hochschule, sondern beim Learning by doing. Hospitieren, Seminar- und Workshopkonzepte erstellen und diese dann durchführen. Ich hatte zwar schon an einigen Seminaren teilgenommen, doch vor „der anderen Seite“ hatte ich gehörigen Respekt, um nicht zu sagen erst mal Angst.

Ich weiß noch wie heute, als ich mein erstes Seminar „Führen mit/durch Zielvereinbarungen“ für Führungskräfte ganz allein durchführte: Ich hielt mich fast krampfhaft an meinem Konzept/Seminarablauf fest und zwischendurch war mir zum Kotzen schlecht. Doch davon merkten die Seminarteilnehmer/innen nichts und gaben mir tolle Seminarbeurteilungen.

So wuchs ich im Laufe der Zeit zu einer erfolgreichen Trainerin heran. Doch das war nur ein Teil meiner Aufgaben. Aufgrund meiner Affinität zu Technik wurde ich die Nachfolgerin meines Chefs als Initiatorin und Coach für Qualitätszirkel, das heißt für firmeninterne Gruppen, die sich um die Verbesserung ihres eigenen Arbeitsumfeldes selbstverantwortlich kümmerten.

Hier ging es darum, in Kick-off-Workshops Mitarbeiter und Führungskräfte zu motivieren, einen freiwilligen Qualitätszirkel zu gründen. Hatte sich die Mindestteilnehmerzahl eines Arbeitsbereiches gefunden, moderierte ich den Zirkelstart, trainierte die Zirkelleiter/-stellvertreter in der Moderationsmethode und coachte sie anschließend darin, die Zirkel selbständig zu führen.

Und was hatte ich davon? Ich war so stolz auf „meine Jungs“, besonders auf jeweils von mir moderierten Jahresworkshop, zu dem die oberste, internationale Führungsetage alle Qualitätszirkel einlud, ihre Ergebnisse zu präsentieren. Und die Ergebnisse waren wirklich beeindruckend, von der Modifizierung eines Arbeitstisches bis zu Maschinenumbauten in Millionenhöhe.

Der perfekte Mix: Mode und Personalentwicklung

Doch bei all den tollen Sachen, die ich machte, vermisste ich doch ein wenig die Mode. Ich betreute unter anderen Firmen aus den Bereichen Automotive, Hotellerie, Papierindustrie, doch keinen einzigen Kunden aus dem Modebereich. Ich sprach meinen Chef darauf an und er sagte nur, ja dann akquiriere einen. Und das tat ich. Durch meine Kontakte erfuhr ich, das Esprit eine Trainerin für Warenkunde Textil/Bekleidung/Verkauf suchte. Ich erstellte ein Trainingskonzept (das konnte ich mittlerweile ziemlich gut), präsentierte es und bekam den Auftrag.

Beim Erstellen der Trainingsunterlagen – besser gesagt eines sehr umfangreichen Handbuches – beschlich mich wieder dieses Gefühl, nicht in allen Bereichen des Themenfeldes die Expertin zu sein. Was mir half, waren die Erinnerungen an meinen Start als Trainerin und der rheinländische Spruch „et is noch immer jot jejange“. Also los! Mut zur Lücke!

Die Teilnehmer/innen kamen aus dem Vertrieb für Großhandelskunden, die mit ihrem verkäuferischen Talent und dem textilen Fachwissen Modekollektionen an Einzelhändler verkauften. Das Ergebnis war offenbar richtig gut.

Einig Zeit später suchte Esprit die Position „Leitung Personalentwicklung“ zu besetzen und fragte mich, ob ich Interesse hätte. Das Angebot reizte mich sehr, insbesondere der Perspektivenwechsel von der externen Trainerin/Beraterin zur internen Personalentwicklung, und das bei einem führenden internationalen Modeunternehmen.

Esprit - Mode und Persönlichkeit

Auch wenn mir der Abschied schwerfiel – Esprit bot mir die Chance, gleich mehrere berufliche Lieblingsfelder zu verbinden und meine beruflichen Kompetenzen einzubringen: meine Ausbildungen zur Schneiderin, zur Ing. für Textil- und Bekleidungstechnik, das Wirtschaftsingenieurstudium und die Leidenschaft, Menschen in ihrem persönlichen und beruflichen Wachsen zu unterstützen.

Ich war nun verantwortlich für circa 2000 Mitarbeiter/innen und Führungskräfte in Deutschland und beratend tätig für die Kollegen im europäischen Ausland, als Teil der amerikanischen Muttergesellschaft.

Die Mitarbeiter kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Funktionen, unter anderem aus Design, Musterung, Produktentwicklung und -management über Vertriebsaußen- und Innendienst, Buchhaltung, Controlling, Logistik und Lager bis hin zu den Mitarbeiter/innen in den eigenen Esprit-Stores. Ich war Ausbildungsverantwortliche und hatte für diverse Projekte Projektmitarbeiter/innen.

Und darüber hinaus war ich Teil eines fantastischen Teams. Und meine damalige Vorgesetzte sehe bis heute als ein mein Vorbild in puncto Führungsverständnis und Führungspersönlichkeit: konsequent, transparent, fair, fördernd – aber auch bereit, klare Ansagen zu machen, wenn etwas nicht passte.

Es wurde nie langweilig. Bei Unternehmenszukäufe ging es darum, neue Mitarbeiter/innen zu integrieren, auch auf interkultureller Ebene, es gab jede Saison neue Kollektionen, kurzum: ein Traumjob, den ich auch bis zur Rente hätte weiter machen wollen.

 

Unverhofft kommt oft

Als meine Chefin dem Ruf in ein anderes Unternehmen folgte, stellte sie mir die Frage: Willst du in die Personalleitung aufsteigen? Bei der Erstellung meins Karriereplans vor einigen Jahren war ich mir noch nicht sicher gewesen. Mittlerweile hatte ich genügend Einblicke in das Aufgabenspektrum bekommen, so dass ich abschätzen konnte, was auf mich zukommt – und ich entschied mich für die Personal- und Organisationsentwicklung. Menschen zu fördern, zu sehen, wie Persönlichkeiten wachsen, das war mein Ding.

Kurze Zeit später kam von extern ein neuer Geschäftsführer. Und mit ihm eine Neuausrichtung der Personalphilosophie und eine Reorganisation von Esprit Deutschland. Die Abteilung Personalentwicklung wurde geschlossen, meine Stelle fiel weg – und ich musste mich unfreiwillig der beruflichen Neuorientierung stellen.

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen

Da stand ich nun, Traumjob weg, und auf meinem Karriereplan stand nichts mehr drauf. Erst einmal fiel ich in ein tiefes Loch, gequält von Selbstzweifeln und der panischen Angst vor Verarmung. Ich sah mich schon als Penner unter der Brücke landen. Um das zu verhindern, fing ich an, Bewerbungen zu schreiben – und bekam eine Absage nach der anderen.

Ich hatte damals keine Erfahrungen vom „Bewerben“ aus der Position einer Betroffenen. Durch einen Netzwerk-Kollegen bekam ich einige nützliche Outplacement-Informationen und mir gingen einige Lichter auf.

Ein kleines, aber sehr sprechendes Beispiel: Ich war den klassischen Lebenslauf gewohnt, am Anfang Schule und Ausbildung, dann Werdegang von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Das las sich für den Recruiter beziehungsweise Personalberater so: Schneiderlehre, Fachabi für Gestaltung, Studium Textil- und Bekleidungstechnik, …

Weiter lasen die meisten vermutlich gar nicht, da sie sich die Frage „Eignet sich Romy Winter für den ausgeschriebenen Job als Leitung Personalentwicklung“ bereits mit Nein beantwortet hatten.

Nach dieser Erkenntnis schrieb ich die angelsächsische Version: Das heißt, ich startete mit einer Summary und begann mit dem Werdegang in der Gegenwart. So wurde meine Motivation und Eignung für „Leitung Personal-/Organisationsentwicklung“ auf der ersten Seite sichtbar. Und ich wurde zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.

Ich bewarb mich jedoch auch auf freiberufliche Angebote, unter anderem als Beraterin und Trainerin für Outplacement-Projekte. Du fragst dich, was Outplacement ist? Eine strukturierte Unterstützung und Prozessbegleitung von Menschen (Einzelpersonen und Gruppen), die unfreiwillig zur beruflichen Neuorientierung aufgefordert werden. Oft im Rahmen eines Sozialplans oder einer Aufhebungsvereinbarung.

 

Neue Erfahrungen – gleich weitergegeben

Rate mal, für was ich mich entschied: für die freiberufliche Tätigkeit für eine der führenden Outplacement-Beratungen Deutschlands, die Unterstützung im Bereich Gruppen-Outplacement suchte. Ich hatte ja zwischenzeitlich genug Praxis-Erfahrungen im Outplacement gesammelt.

Zwei Dinge bewegten und forderten mich bei meiner neuen Aufgabe ganz besonders: Zum einen, die Angst und Fassungslosigkeit, teilweise sogar die Schockstarre der Betroffenen auszuhalten; zum anderen, diese Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst wieder überzeugend und aufrecht am Arbeitsmarkt zu präsentieren, sich selbst zu vermarket, kurz: sich zu bewerben.

Wenn das Leben Dir eine Zitrone gibt, mach Limonade daraus

Du musst dir vorstellen, dass die Betroffenen teilweise direkt nach dem Kündigungsgespräch zu mir kamen und ich sie von der Chance einer Outplacement-Beratung als Teil eines Aufhebungsvertrages überzeugen sollte, so dass sie selbigen schneller unterschrieben.

Was mir in dieser Situation neben meiner eigenen Erfahrung half, war meine dreijährige Ausbildung zur Supervisorin DGSv/Counsellerin am Institut von Prof. Dr. Kersting und Prof. Dr. Krapohl, die ich kurz zuvor abgeschlossen hatte. Insbesondere durch die systemisch/konstruktivistische Ausrichtung war ich in der Lage, die Beteiligten „aufzufangen“ und sie positiv auf die berufliche Zukunft auszurichten.

Trotz aller Tragik der Einzelschicksale haben wir in den Trainings-/Beratungssequenzen viel lachen dürfen. So hielt ich ein dreitägiges Gruppentraining als Einstieg in den Beratungsprozess in Einzelsitzungen. Fünfzehn Teilnehmer/innen unterschiedlichsten Alters, mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen. Zwölf von diesen Teilnehmer/innen sprachen kein oder nur gebrochenes Deutsch. Es war ein sprachlicher Blumenstrauß aus Deutsch, Türkisch, Italienisch, Slawisch, Händen und Füßen sowie Zeichensprache. Und es war einer der herzlichsten Trainings, die ich in meinem Leben gegeben habe. Wunderbare Persönlichkeiten, die mir darüber hinaus in der Mittagspause landestypische Speisen kredenzten.

Parallel zur freiberuflichen Tätigkeit bewarb ich mich weiter für eine Festanstellung als Leiterin Personal-/Organisationsentwicklung.
Über mein Netzwerk bekam ich Kontakt zur Personalleitung von IKEA Deutschland.

Jetzt endlich auch mal Möbel

Ziemlich schnell fand ein Vorstellungsgespräch statt, das mit der Frage des Recruiters endete: „Können Sie sich vorstellen, als Chefin eines Einrichtungshauses zu arbeiten?“ Damit hatte ich nicht gerechnet und bat um mehr Informationen zum Aufgabengebiet der Position, und zwar in Form eines ein- bis zweitägigen Begleitens eines Einrichtungshaus-Chefs, genauer: dem Führen einer IKEA-Filiale als Geschäftsführung.

Es waren zwei spannende Tage in Kaarst. Danach ging ich mit mir in den inneren Dialog und kam zu der Entscheidung: Ja, kann ich mir vorstellen. Die operative Verantwortung reizte mich, war ich doch bisher nur primär in Stabs-/strategischen Funktionen. Zudem war ein Großteil der Aufgabenstellung bei IKEA, Mitarbeiter zu fordern und zu fördern. Das war mir sehr bekannt.

Ich stieg also in ein zweijähriges Traineeprogramm ein. Lernte viel Neues und konnte gleichzeitig meine Expertise in Personal- und Organisationsentwicklung einbringen. Eine spannende, hochinteressante Zeit. Ganz nebenbei verstand ich endlich, warum ich bei jedem IKEA Besuch immer etwas gekauft hatte, was ich eigentlich nicht brauchte.

 

Zurück zu den Menschen

Mit der Zeit merkte ich aber auch, dass der Erfolg von IKEA nicht nur auf den tollen Produkten, den Mitarbeiter/innen und der Unternehmenskultur beruhte, sondern auf einer Umsatzzahlen-Fokussierung und dem Einsatz entsprechender verkaufssteigernder Steuerungsinstrumente und -Maßnahmen. Und ich musste mir eingestehen, dass mein Herz in eine andere Richtung gehen wollte.

Also entschied ich mich, zu kündigen und meiner „alten“ Berufung nachzugehen: Menschen zu fordern, zu fördern und sie in die Lage zu versetzen ihre Ziele zu formulieren und zu erreichen.

Mit diesem neuen alten Karriereplan machte ich mich 2000 selbstständig.

Meine Story Teil 2